Baukunst trifft Braukunst

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Wie Sternburg sich ein Stück eigener und regionaler (Kunst-)Geschichte wieder holt

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Wenn Sie das Emblem am Eingang des Gewandhauses oder die gestaltete Außenfassade des Schkeuditzer Planetariums kennen, dann kennen sie auch Werke von Heinz Häse. Auch die Geschichte der Sternburgbrauerei ist eng mit dem Leben und Wirken Heinz Häses verknüpft, wie aktuell ein ganz besonderer Fund zeigt.

Die Sternburg-Brauerei bekommt bekanntlich jedes Jahr Unmengen von kleinen und großen Fan-Geschenken zugesandt, doch in diesem Jahr hat sich die Brauerei selbst das größte Geschenk gemacht. Sie holte sich ein Stück eigener Geschichte wieder, deren Ursprung am Rande des Leipziger Nordens, in Lützschena liegt.

Dort begründete 1822 Maximilian Freiherr Speck von Sternburg seine Brauerei - und dort liegt nun fast 200 Jahre später, unter Schutt und Asche begraben, was vom ehemaligen Prunkstück mitteldeutscher Braukunst übrig ist. 1991 wurde die Brauerei VEB Brau- und Malzkombinat Sternburg geschlossen und das dazugehörende Gelände verwandelte sich von einer blühenden Landschaft in eine Brache. Sternburg ging jedoch nicht unter. Die Traditionsmarke zog um in den Leipziger Stadtteil Reudnitz und begann ein neues Kapitel ihrer Brauereigeschichte.

Welchen Schatz die Brauerei aber bei ihrem Umzug zurückließ, wurde erst später klar. 2007, also fast 20 Jahre nach der Schließung des Standorts Lützschena, wurde bei Abrissarbeiten auf dem ehemaligen Brauereigelände ein längst vergessenes Wandbild wiederentdeckt. Unter Bauschutt und Patina verborgen und in Einzelteile zerlegt, fand man das 1980 vom Lützschenaer Künstler Heinz Häse aus Messing und Kupfer geschaffene Werk und konnte es anhand alter Fotografien sorgsam restaurieren. Es stellt den Prozess des Bierbrauens dar und sollte dem Gebäude und seiner Funktion an- und eingepasst sein. Kunst und Architektur sollten sich gegenseitig stützen – so das Credo des Künstlers, das seine weitestgehend baugebundenen Werke bestimmte.

Nun lässt sich über den künstlerischen Wert von Auftragskunst sicherlich streiten. Heinz Häses Werke stehen jedoch weit über einem bloßen Handwerk und baulicher Dekorationsarbeit. Er experimentierte mit verschiedenen Werkstoffen, ohne dabei den Blick für das Bauwerk und seinen eigenen Charakter zu verlieren. Seine Werke entstanden immer bereits während der Bauphase in enger Zusammenarbeit mit Architekten und Bauleuten, wodurch er eine Form von baugebundener Kunst schuf, die den Eindruck erweckt, als sei das Werk direkt aus dem Gebäude herausgewachsen.

Das wiederentdeckte Wandbild ist nun wieder in seiner ursprünglichen Form zu bewundern (Foto). Als ursprünglich könnte auch der Ort bezeichnet werden, an dem es jetzt angebracht ist: wieder ist es das Sudhaus, wieder ist es die Sternburg-Brauerei, jedoch erscheint es hier etwas augenfälliger als andere Arbeiten Heinz Häses. Es fällt auf, an seinem neuen Platz - warum auch nicht. Es macht aufmerksam auf einen Künstler, der nicht nur die Geschichte der Sternburgbrauerei sondern das, im wörtlichen Sinne, “Ansehen” vieler Gebäude einer ganzen Region mit geprägt hat.

Heinz Häse. Künstler. Geboren 1925 in Schkeuditz. Gestorben 2000 in Lützschena. Er erschuf ein Werk, das nach 20 Jahren wieder zu entdecken ist - und das nicht nur auf dem Sternburg-Brauereigelände.

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