Radebass - Trialog um das Grauen : 05.04.2010 : von Sabine Kaiser

Was manche als abwegig und absonderlich empfinden, ist für das Trio Radebass eine Metapher geistiger Intensität. Thema ist das jahrhundertealte Grauen vorm Wahnsinn, thematisiert in zu Klassikern gewordenen Novellen von Autoren wie Guy de Maupassant, Auguste de Villiers de l’Isle-Adam und Edgar Allan Poe. Doch auch Texte von Franz Kafka sind Teil des Repertoires.

Radebass -  ein Trio, bestehend aus einem Flügel, einem Kontrabass, einer Stimme. Als Sprecher balanciert Henrik Wöhler das Gelesene an der Grenze zwischen Normalität und Wahnsinn. Er war es, der in der Einsamkeit seiner schalldichten Welt vor Studiomikrofonen die morbide Schönheit der Geschichten Edgar Allan Poes wiederentdeckte. Geboren wurde er 1968 in Leipzig. Nach seiner Flucht in den Westen war er in Dortmund Maurer und Klempner. Seit 1992 lebt er wieder in Leipzig, studierte Journalistik und ist inzwischen Autor für Hörfunk, Zeitungen und Fernsehen, Moderator für Radio- und Talkshows. Als Spezialisten fürs Mikrofonsprechen und Stimmschauspieler bezeichnen ihn die beiden Musiker - Jazzpianist Claudius Bruns und der klassisch ausgebildete Kontrabassist Martin Siebach.

tl_files/kunststoff/magazinbilder/radebass 4.jpgClaudius Bruns, der den Worten des Stimmschauspielers am Flügel musikalisch nachstellt, stammt aus München und spielt seit seinem achten Lebensjahr Klavier. Mit sechzehn Jahren erspielte er sich ein Stipendium für die USA, wo er Unterricht bei Art Wheeler nahm. Der New Orleans Jazz faszinierte ihn. Später studierte er Jura, Politikwissenschaften, Philosophie und Medienwissenschaften in Köln und Leipzig. Dann schließlich Jazz-Piano an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn-Bartholdy in Leipzig, bei Professor Richie Beirach. Er ist Mitbegründer des Kabarett "Knorke", Mitglied der "Winfried Kirches Bande Köln" und Initiator des Kulturvereins "Horns Erben" Leipzig.

Der Dritte im Bunde - Martin Siebach – ist der Mann am Kontrabass und Gegenpart zur Stimme des Sprechers. Mit neun Jahren bekam der gebürtige Dresdner Klavier- und Cello-Unterricht, später Kontrabassunterricht beim Großvater, dem langjährigen Solobassisten des Gewandhausorchesters. Auch er studierte an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy" und ist Gründungsmitglied des Mendelssohn-Kammerorchesters. Neben Engagements an verschiedenen Opernhäusern und beim Sinfonieorchester des MDR spielt er in Spezialensembles für Neue und Alte Musik in Berlin und Leipzig.

Konsumierbare Hochkultur – ohne literarische Vorbildung

Radebass lässt Musik und Text zu einem Ganzen verschmelzen. Die drei Männer gestalten nicht einfach Lesungen mit Musik, vielmehr schaffen sie bei ihren Auftritten ein Melodram, das sich wie ein Hörfilm anfühlt. Die Musik bewegt sich im Spektrum von Spätromantik, Expressionismus und Filmmusik, Zwölftonmusik und Jazz. Achtzig Prozent der Musik sind komponiert, der Rest ist Improvisation. Den Charakteren in den Texten werden musikalische Leitmotive zugeordnet. Wie in „Peter und der Wolf“, dem musikalischen Vorbild des Trios. Wobei in Prokofjews sinfonischem Märchen nicht improvisiert und bei Radebass sparsamer instrumentiert wird. Bei den deutschlandweiten Auftritten des Trios in Theatern und Kulturvereinen können die Zuschauer vergessen, dass musiziert wird. Bass und Flügel werden Spiegel, Kulisse und Antreiber des Sprechers. Als konsumierbare Hochkultur für ein Publikum ohne besondere literarische Vorbildung sieht Claudius Bruns das Programm von Radebass.

>> Den vollständigen Beitrag lesen Sie in Kunststoff, Ausgabe 19.


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