10 Jahre Popkultur am Mühlteich : 06.04.2010 : von Claudia Laßlop
Hauptmannsgrün
ist wahrlich kein großer Ort. Neben Unterheinsdorf und
Oberheinsdorf ist es Teil der Gemeinde Heinsdorfergrund, irgendwo
zwischen Reichenbach und Lengenfeld im Vogtland. Kaum mehr als 2.300
Menschen leben hier. Bis auf die idyllische Landschaft sind
touristische Attraktionen rar. Der perfekte Ort für ein kleines
Festival, das musikalische Perlen mit allerlei Drumherum zwischen
Theater, Kleinkunst und Chillout verbindet.
Das dachten sich auch die Jugendlichen vom Borwaerk aus Netzschkau. Für sie ist das Borwaerk bereits seit Mitte der 90er Anlaufpunkt und bietet Platz für das, „was man so macht, wenn man jung ist“, wie Gordon vom Borwaerk es beschreibt. Es gibt Platz für Konzerte, für Proberäume, für Kultur und Vereinsarbeit. Basis ist mittlerweile die ehemalige Ausflugsstätte „Bad Rosenthal“. In Eigenregie und mit vereinten Kräften von Verein, Freunden und Familien wurde dem Gebäude vorm Einzug im Sommer 2008 wieder Leben eingehaucht. Zwei Bleiben mussten zuvor im Lauf der Jahre aufgegeben werden - zuletzt, weil die Elektrik einen Brand verursacht hatte.
Die Idee zum Festival entstand an dem Ort, wo es seitdem auch beheimatet ist – am Hauptmannsgrüner Mühlteich. „Wir dachten uns – warum bringen wir nicht die Bands, die sonst im Borwaerk spielen, hier zu einem kleinen Festival zusammen.“ Mit rund 400 Besuchern war das erste L'abore im Jahr 2001 tatsächlich noch klein. In seinem 10. Jahr ist es mit jährlich rund 1000 Besuchern aus dem regionalen Musikgeschehen nicht mehr wegzudenken. Die meisten kommen, egal, was das Wetter sagt. Und sie kommen auch nicht nur, weil sie in der Region wohnen und Popkultur hier nicht unbedingt groß geschrieben wird – für seine Stammbesucher ist das L'abore sommerlicher Pflichttermin und sind sie auch gerade in China, England oder anderen Ecken der Welt unterwegs, so ist doch der Festivaltermin Grund genug für einen Heimatbesuch.
Was musikalisch auf der Bühne des L'abores passiert, ist ein Querschnitt des Musikgeschmacks der Veranstalter. Übers Jahr verteilt finden im Netzschkauer Borwaerk, aber auch im Leipziger Café Noch besser leben „kleine Konzerte mit tollen Bands in netten Räumen“ statt – und vermitteln nicht zuletzt einen Vorgeschmack aufs Festival. Es hat sich bewährt, sich von den Bands und ihren Live-Qualitäten bereits vorab zu überzeugen. Bands aus der Region, aber auch Bands aus ganz Deutschland und darüber hinaus. Und ein Blick in die Line Ups vergangener Jahre zeigt das gute Gespür für die Auswahl – so standen auf der L'abore-Bühne bereits Polarkreis 18 oder I might be wrong. Bands, die sich mittlerweile bundesweit treue Fangemeinden erspielt oder eben auch Radiotauglichkeit bewiesen haben. Zur Einstimmung aufs diesjährige Jubiläum gibt es bereits Anfang April im Leipziger UT Connewitz ein Festival Spezial. In Zusammenarbeit mit dem Sweet Home Label werden Bands auf die Bühne gebracht, die L'abore-Besucher bereits kennen dürften - Ter Haar aus Berlin und die Chemnitzer Bands Playfellow und Radar.
Auch sonst leben die Herren vom Borwaerk ihre Liebe zur Musik nicht nur in Netzschkau und Hauptmannsgrün aus – vielmehr nehmen sie die Borwaerk-Idee dahin mit, wo sie gerade leben. Nach Leipzig, nach Chemnitz. Oder nach Jena, wohin Gordon gerade umgezogen ist. Für den 30. April plant er hier im Café Wagner einen Borwaerk-und PopUp-Abend mit Computer say no und Mjuix. Denn auch wenn es in Jena einige Clubs gibt, sei doch in Sachen Pop noch nicht viel los. Was sich aber bald ändern könnte.
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