Highfield ohne Hohenfelden : 05.07.2010 : von Claudia Laßlop

Mit den letzten Tönen des Highfield 2009 ging am 23. August vergangenen Jahres nicht nur die 12. Auflage des Festivals zu Ende, sondern nach dem Auftakt im Jahr 1998 auch die Zeit am Stausee Hohenfelden bei Erfurt. Aber dem Abschied folgt sofort der Neuanfang: Im August 2010 findet das Highfield erstmals im Leipziger Land statt.

Sand zwischen den Zehen, im Hintergrund glitzert die Wasseroberfläche eines Stausees und auf der Bühne geben sich die die kleineren und größeren Indie-Sterne das Mikro in die Hand – so ließen sich die vergangenen zwölf Jahre Highfield Festival grob beschreiben. Und wenn auch eine Bühne fast überall aufgebaut und bespielt werden kann, lassen sich dieses Ambiente von Küstenurlaub und die idyllische Lage nicht einfach so einpacken und umsiedeln. Allerdings wurde nach 2009 ein Umzug aufgrund auslaufender Pachtverträge unumgänglich und so hieß es im vergangenen Sommer sowohl für den Veranstalter als auch für das Publikum Abschied nehmen vom lieb gewonnenen Gelände in Hohenfelden.

 

Bewusste Entscheidung für treue Fans

Bereits Anfang 2009 hatte die Suche nach einem neuen Standort begonnen: „Wir haben uns diverse mögliche Locations angeschaut und uns im Herbst letzten Jahres für die Gemeinde Großpösna und das Areal auf der Magdeborner Halbinsel am Störmthaler See entschieden“, sagt Annegret Kalus vom Veranstalter semmel concerts. Damit wird das Festival von Thüringen nach Sachsen verlegt und bleibt zumindest dem Standort Mitteldeutschland treu: „Die Entscheidung war bewusst, da wir hier eine treue Fangemeinde wissen.“ Eine Fangemeinde, die den Umzug mitunter skeptisch verfolgt und in diversen Online-Foren ausgiebig diskutiert hat. Zentrale und sicher auch nostalgiebedingte Frage: Kann es ein Highfield geben, wenn nicht in Hohenfelden - allein des Namens wegen?

 

Eine Marke mit Zugkraft, egal wo

Ganz und gar nicht problematisch sehen die Veranstalter den Standort- ohne Namenswechsel: „Das Highfield Festival ist eine Marke, die auch losgelöst vom ursprünglichen Gelände nichts an ihrer Zugkraft einbüßt.“ Trotz Umzug kommt das Festival weiterhin der ungleichen Konzertverteilung auf der musikalischen Landkarte zugute. Fehlen doch bei vielen Deutschland-Tourneen international gefragter Künstler und Gruppen neben Berlin, München oder Köln meist Auftritte in den Neuen Ländern. Zwar ersetzt ein dreitägiges Festival nicht grundlegende Beachtung, aber so wird die Aufmerksamkeit zumindest punktuell auf den Standort gezogen.

Und vom Erfolg des neuen Geländes auf der Magdeborner Halbinsel gehen die Veranstalter nicht nur aufgrund logistischer Vorteile aus: „Die wunderschöne Lage, die vorhandene Infrastruktur und die Unterstützung der Region haben letztendlich den Ausschlag für unsere Entscheidung gegeben“, so Annegret Kalus. Und in Großpösna herrscht bereits Vorfreude auf das Großereignis. Das Gelände wurde zur Verfügung gestellt, darüber hinaus übernimmt die Gemeinde die Verhandlungen mit den privaten Flächeneigentümern und hat sich die Vermittlung zu örtlichen Behörden übernommen, „um dem Veranstalter gerade im ersten Jahr den Start in der Region so einfach wie möglich zu machen.“

Und damit findet die To-Do-Liste von Daniel Strobel, Hauptamtsleiter der Gemeinde Großpösna, noch längst keine Ende: „Wir unterstützen auch bei Gesprächen mit den Ver- und Entsorgern und helfen bei Kontaktaufnahmen zu Partnern. Als Unterstützung für den Veranstalter gibt es auch eine regionale Lenkungsgruppe, in der Vertreter aller betroffenen Behörden und Ämter gemeinsam die Vorbereitungen des Festivals unterstützen.“ Was sie mit dem Highfield Festival erwartet, können sich die Gemeindevertreter bereits vorstellen, haben sie sich die Veranstaltung doch im vergangenen Jahr selbst angeschaut: „Wir fanden das Thema trotz anfänglicher eigener Vorbehalte spannend und haben einige unserer Gemeinderäte gebeten, mit uns gemeinsam das Highfield Festival beim letzten Gastspiel in Hohenfelden unter die Lupe zu nehmen“, erzählt Daniel Strobel. „Was wir dort gesehen haben, hat auf uns einen sehr professionellen Eindruck gemacht und Zweifler beruhigt.“ Beeindruckend sei auch der professionelle Umgang mit Themen wie Sicherheit und Ordnung während des Festivals gewesen. „Nachdem dann im September der Veranstalter das Projekt bei einer öffentlichen Gemeinderatssitzung vorgestellt hatte, konnten wir die Vertragsverhandlungen schnell abschließen“, so Strobel. Ortschaftsräte und Gemeinderat stimmten demnach einstimmig für das Festival und am 11.11.2009 machte die Vertragsunterzeichnung den Umzug perfekt.

 

Für Großpösna und das Leipziger Land geht es um weit mehr als nur um ein gelungenes Festival: „Regional hat das Festival eine große Bedeutung, da das Leipziger Neuseenland als überregionales touristisches Ziel noch in den Kinderschuhen steckt“, so Strobel. Dem Festival und seinen zufriedenen Besuchern haften daher im besten Fall ein positiver Effekte für das Image der Region und deren überregionale Bekanntheit an. Und von Bekanntheit kann man bei rund 25.000 Besuchern durchaus sprechen. Während es den Festivalgängern also vor allem ums Line Up und ein entspanntes Wochenende geht, bedeuten sie für den neuen Standort einen Schritt in Richtung touristische Zukunft: „Die Zielgruppe der 16-25jährigen ist im ganzen Freistaat Sachsen noch unterrepäsentiert. Das Highfield Festival passt daher genau in diese Zielrichtung sächsischer Tourismuspolitik.“ Im besten Fall wäre der erste Besuch daher Anlass für weitere und zur Verbreitung der frohen Kunde, dass es schön war im Leipziger Land. Und um dem noch mehr auf die Sprünge zu helfen, wartet auf die Festivalbesucher nicht nur Musik, sondern auch ein Rahmenprogramm: „Ganz konkret werden durch das Festival für die Beherbergungsstätten und die Erlebnisangebote neue Kunden akquiriert“, so Daniel Strobel.

 

Aller Anfang ist Aufwand

Aber ein Neubeginn bringt nicht nur Vorfreude mit sich. Ehe zur Einstandsfeier geladen wird und das Einleben beginnt, gab und gibt es neben Renovierung und Neugestaltung der Festival-Homepage auch direkt vor Ort noch einiges zu tun - allem voran musste die Magdeborner Halbinsel mit einer kompletten Infrastruktur versehen werden: „Während des Festivals entsteht ja auf dem Gelände eine kleine Stadt mit allem, was dazugehört: Strom, Wasser, Abwasser und so weiter“, umreißt Annegret Kalus den Vorab-Aufwand. Eben der stellt auch für Großpösna eine Herausforderung dar. Dass die Abwasserentsorgung im ersten Jahr noch mobil erfolgen wird, kann den Besuchern aber im besten Fall egal sein. Und auch auf Strom und Wasser wird keiner verzichten müssen. Und da nach diesem Umzug eine langfristige Ansiedlung geplant ist, kann das Highfield schon im kommenden Jahren auf diese Investitionen und geschaffene Strukturen aufbauen.

Vielleicht lebt sich das Highfield irgendwann sogar soweit in seiner neuen Umgebung ein, dass es Musiker aus der direkten Nachbarschaft auf die Bühne bittet. Eine gute Gelegenheit, dem Leipziger Land nicht nur geografisch, sondern auch musikalisch näher zu kommen. Zwar reisen Besucher wahrscheinlich vor allem wegen Auftritten der etablierten Größen an – dieses Jahr gehören Placebo, Blink 182, Billy Talent und Monster Magnet zu den Headlinern -, aber nach Gruppen mit kürzestem Anreiseweg sucht man im Programm vergebens – nach wie vor dem Umzug: „Grundsätzlich stehen die Highfield Bühnen nur arrivierten Bands offen“, so Annegret Kalus. Wenn es auch ein schöner Zufall war, dass im vergangenen Jahr für Hohenfelden der Erfurter Musiker Clueso gebucht wurde. „Momentan ist vorerst nicht vorgesehen, speziell Bands aus der Region zu verpflichten. Was aber nicht heißt, dass wir das in Zukunft mal probieren werden“, heißt es schließlich mit einem Augenzwinkern.


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