Der Klang des Himmels beim Impuls Festival : 21.10.2010 : von Claudia Laßlop

Vermittlung war nun schon vor Beginn des Festivals Gegenstand der Diskussion – Vermittlung im Sinne eines Verständlich-Machens, eines Erklärens - damit Neues nicht abschreckt und vielleicht gar einer zu großern Skepsis unterliegt. Von den positiven Reaktionen des Publikums, von dessen Erleichterung des Verstehens nach einführenden Worten konnte dagegen Ragna Schirmer, Pianistin und Kultursenatorin in Sachsen-Anhalt, berichten. Zudem von dem gespannten Lauschen, das einer solchen Einführung folgt. Das Erleben neuer Musik kann auf diesem Weg zum persönlichen Erfolgserlebnis werden.
Auf erklärende Worte dürfen sich nun auch die Besucher des diesjährigen Impuls Festivals freuen, denn auch wenn sich alle Beteiligten einig waren, dass Neue Musik über solche punktuellen Ereignisse hinaus ein tragfähiges Netzwerk braucht, um sich einen festen und ständigen Platz in der Musiklandschaft zu sichern, so steht nun doch erst einmal die dritte Auflage des landesweiten Festivals im Mittelpunkt des Interesses.
Im Interview, vollständig nachzulesen im aktuellen Kunststoff-Heft, hat Dirigent, Komponist und Festival-Intendant Hans Rotman unter anderem dazu schon einiges erzählt:
Beim Impuls-Festival finden sich viele neue und ungewöhnliche Programme – wie gewinnt man ein Publikum für etwas, das es nicht kennt?
Mit dem, was man bietet - Kompositionen des 20. Und 21. Jahrhundert -, kann man nicht wirklich werben. Die sind ja meistens nur einem Insiderpublikum bekannt. Aber dadurch, wie man es anbietet - Impuls bietet zum Beispiel Konzerte, bei denen alle Dirigenten des Bundeslandes zusammen in einem Konzert auftreten. Oder Konzerte, wo zwei oder sogar drei Orchester zusammen in einem Programm zusammenarbeiten. Konzerte, wo Musiker aus verschiedenen Orchestern (zum Beispiel Schlagzeuger) zusammen ein neues Ensemble formen. Hauptziel: Austausch statt Konkurrenz, denn die Orchester können und wollen zusammen arbeiten. Nebeneffekt: Impuls bietet etwas, das man noch nicht erlebt hat.
Orchester spielen ja meist im eigenen Haus oder gehen gemeinsam auf Tournee – diese Strukturen stellen Sie gewissermaßen zur Diskussion. Wie sähe diese Musiklandschaft für Sie idealerweise aus?
Orchester sind wundervolle Klangkörper, wofür sagenhafte Musik komponiert worden ist und noch immer komponiert wird. Aber es gibt auch wundervolle Musik für andere Besetzungen. Dafür ist die Förderstruktur jedoch nicht ausgelegt. Wenn die Förderstruktur die Pflicht „ausgibt“, ordentliche Einspielquoten zu erzielen, kommen wir nicht vom Fleck. Außerdem - ordentliche Einspielquoten bekommt beispielsweise André Rieu, sogar ohne öffentliche Förderungen. Und ich finde, er ist in seinem Metier unschlagbar. Nur - als Vergleich – würden wir es nicht akzeptieren, wenn es nur noch Heimatfilme gäbe. Man braucht sowohl die Artfilme als auch die Blockbuster. Das ist bei den Orchestern und Opernhäuser nicht anders.
Das Impuls-Festival für Neue Musik in Sachsen-Anhalt geht in sein 3. Jahr - was gibt es Neues?
Vieles ist bei uns neu und damit ist auch das Risiko, ob es gut ankommt, „part of the game“. Aber eben in diesem Risiko liegt auch die Aufregung: Mit dabei sein – entdecken - oder nicht dabei sein, ist hier die Frage. Und Neugier ist das Schlüsselwort. Das MDR Sinfonieorchester hat sich den sechs Anhaltischen Orchestern angeschlossen und zu Halle, Magedeburg, Dessau, Wernigerode und Halberstadt kommen 2010 Stendal, Köthen und Michaelstein. Wir sind nach wie vor ein Festival für die und mit der Region und auf dieses Unikum sind wir stolz.
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