Die Insel und die Bücherstapel

03.07.2010 00:00 von Gisela Hoyer

 

Sie bekennen sich als quasi manische Leserin, preisen den Reiz einer zwischen Buchdeckeln aufgehobenen spannenden Geschichte, die Güte einer geglückten Typografie, das Geräusch beim Umblättern der Seiten, den Ausflug in eine andere (Fantasie-)Wirklichkeit – und trotzdem fällt Ihnen manchmal ein Buch in die Badewanne ...

Eva Maria Hoyer: (lacht) ... und das ist mir sogar nur in Maßen peinlich. Denn zu allen ästhetischen Aspekten ist für mich ein Buch ein Gebrauchsgegenstand, etwas, auf das ich nicht verzichten möchte, nicht mal in der Wanne. Aber natürlich nehme ich dorthin nicht unbedingt seltene oder kostbare Ausgaben mit. Also eher einen Krimi als Goethes „Faust“.

Und wann herrscht bei Museumschefin Hoyer Lesezeit?

Eigentlich ununterbrochen, Lesen gehört ja selbstverständlich zum Job. Wenn aber von entspannter Lektüre die Rede ist, findet die am Feierabend statt. Morgens bin ich meist mit Tagesaktualitäten befasst. Bleibt dennoch ein Moment zum Durchatmen, schaue ich in das Buch vom Vorabend. Ansonsten lese ich gern vor, mein Publikum ist (vom Enkel abgesehen) mein Mann, ein sehr guter Zuhörer. Wir machen das seit ein paar Jahren, mit Gewinn. Aber generell lese ich abends im Bett, das ist mein persönlicher Freiraum – wo es systematisch zugehen kann: alles von Thomas Mann und Ergänzendes (dringend an der Reihe sind wieder mal „Joseph und seine Brüder“). Manchmal gebe ich auch einer Stimmung nach, greife spontan in die Regale oder stöbere in den Stapeln, die unser Zuhause zahlreich schmücken.

Büchermangel ist also nicht Ihr Problem?

Definitiv nein. (lacht) Wobei der notorische Bücherkäufer mein Mann ist, oft jenseits der Bestsellerlisten, vielleicht durch eine Rezension angeregt. Ich werbe neuerdings zunehmend für Verzicht, allerdings müssen bestimmte Titel sein, Herta Müllers „Atemschaukel“ etwa. Als wir jung waren, haben wir Fettbemmen gegessen und lieber Klassikerausgaben gekauft, die Russen, die Franzosen, die einschlägigen Deutschen, da spielten schöne Ausgaben bereits eine Rolle. Heute begnüge ich mich nicht selten mit Paperbacks, bei jemand wie Nabokov beispielsweise, den ich immer neu entdecke. Und natürlich häufen sich Kataloge, in denen ich mit Ruhe blättern will, an Sonntagnachmittagen etwa. Derzeit fasziniert mich die Kunst der Perücke … Ich mag es, wenn die Dinge anfangen zu erzählen.

Wie würden Sie einem Außerirdischen erklären, was so besonders ist an einem Buch?

Ich würde versuchen, ihn die haptische Erfahrung erleben zu lassen, das Gefühl beim Umgang mit einem Buch. Ich würde ihm einen gelungenen Einband zeigen, die Neugier auf das, was mir dieses bedruckte Papier (das ja vielleicht noch witzig illustriert ist) mitzuteilen hat. Auf die Symbiose von Information und Emotion. Von der Erwartung sprechen, dass sich dabei mein Horizont erweitert. Ich gehöre zu den Leuten, die sich nicht daran gewöhnen wollen und können, Bücher elektronisch zu lesen. Was heißt Bücher?! Nicht mal Zeitungen – ich will sie in der Hand halten, alles andere ist mir zu flüchtig. Womöglich denkt ja der Marsmensch ähnlich altmodisch.

In der DDR existierte – auch weil das mit der Weltanschauung eher theoretisch galt – das schöne Bild von Büchern als Fenster zur Welt. Was ist daraus geworden?

Ach, für mich funktioniert das noch, obwohl man jetzt fast überallhin reisen kann – die nötigen Mittel vorausgesetzt. Denn ein Buch liefert mir Erkenntnisse oder Gefühle viel unmittelbarer, in überraschenden Zusammenhängen, mit mehr Tiefe. In jedem Fall erhalte ich einen subjektiven Blick auf Menschen und Verhältnisse, die unverwechselbare Interpretation eines Autors – egal, ob ich ihm zustimme oder widerspreche. Mir liegt an der emotionalen Auseinandersetzung mit einem Thema, das mich anregt, faszinieren kann, gleichsam süchtig machen.

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03.07.2010 00:00 von Gisela Hoyer

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