Forikolo – Ein Musterdorf der Entwicklungszusammenarbeit : 02.07.2010 : von Stefanie Becker
„Die Stadt Freetown ist voll, laut und dreckig, es gibt von allem zu viel. Und dann sind da die Dörfer – das totale Gegenteil. Ein Paradies mit Palmen und Sonne, wie man es sich vorstellt.“ Das sind die ersten Eindrücke, die Architekturstudentin Bea Puschkarski aus Sierra Leone mitgebracht hat. Sie war acht Wochen lang als freiwillige Helferin für den Leipziger Verein Forikolo e.V. in dem Land an der afrikanischen Westküste, um beim Schulbau zu helfen und Agrarprojekte zu betreuen. Denn auch wenn es paradiesisch anmuten mag, laut dem Human Development Index ist Sierra Leone eines der ärmsten Länder der Welt.
Der über zehn Jahre andauernde Rebellenkrieg (1991–2002) hat das Land schwer gezeichnet: Die Grundversorgung mit Nahrungsmitteln ist knapp und viele Menschen in Sierra Leone können weder lesen noch schreiben. Nach Ende des Bürgerkrieges ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes die Einschulungsrate zwar kontinuierlich gestiegen, dennoch fehlt es noch immer an gut ausgebildeten Lehrern, Unterrichtsräumen und Lehrmitteln. Hier setzt der Forikolo e.V. an – und hat Erfolg: Mittlerweile wurden durch das tatkräftige Engagement und mit Hilfe zahlreicher Spenden schon drei Grundschulen errichtet. „Die Spenden stammen hauptsächlich von Organisationen, bei denen Projektanträge gestellt werden, und von Unternehmen und Privatpersonen.
So spendete zum Beispiel der Rotary Club Leipzig 12.000 Euro über eine Projektlaufzeit von zwei Jahren für den Aufbau eines Agrarprojektes zur Verbesserung der Ernährungssituation in dem Dorf Forikolo“, erläutert Stefan Klenk, Vorsitzender und Gründer des Vereins. „Für den Bau einer weiterführenden Schule in Musaya erhalten wir Mittel von der Schülerorganisation ‚genialsozial‘. Zudem erhielten wir mehrfach Spenden von der ‚Aktion Eine Welt‘ im oberen vierstelligen oder unteren fünfstelligen Bereich“. Die Verwaltungskosten des Vereins werden aus den Mitgliedsbeiträgen finanziert, sodass die Spenden komplett in die Projekte in Sierra Leone fließen können. Staatliche Fördergelder erhält der Verein nicht. Momentan laufen in Sierra Leone drei Schulbauprojekte. Eine Schule soll im Sommer 2010 fertig gestellt werden, zwei weitere sind in Planung. Insgesamt will der Verein bis 2015 an die 30 Schulen fertig stellen. Ist das realistisch? „Ein Verein braucht eine Vision“, so Klenk. „Unsere Vision ist, jedem Kind in unserer Projektregion einen Schulbesuch zu ermöglichen. Selbst wenn wir fünfzehn oder zwanzig Schulen bauen sollten, ist vieles erreicht. Und wir hören ja 2015 nicht auf!“
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