Begegnungen mit dem jüdischen Leben in Dresden : 01.11.2010 : von Franziska Krakow

Unter dem Motto "Begegnungen mit dem jüdischen Leben" strömten die Besucher der Jiddischen Musik- und Theaterwochen vom 17. bis 31. Oktober nach Dresden. Mit rund 4000 Gästen gilt die diesjährige Ausgabe des 14-jährigen Festivals als die erfolgreichste in ihrer Geschichte. Die jährliche Veranstaltungsreihe sei zu einem festen Bestandteil des Dresdner Kulturlebens geworden und werde überregional wahr genommen, so der Sächsische Ausländerbeauftragte Dr. Martin Gillo.

Rückblickend ist für die letzten zwanzig Jahre ein tiefgreifender Wandel des jüdischen Lebens in Deutschland festzustellen. Dieser sei vor allem durch die hohen Zuwanderungszahlen in den 90er Jahren aus dem ehemaligen Ostblock begründet. So wurden in den Jahren 1991 bis 2004 rund 220 000 jüdische Zuwanderer gezählt, was eine wesentliche Änderung der Struktur der in Deutschland ansässigen jüdischen Gemeinden bedingte. 
Daher ist ein wesentlicher Programmpunkt des Veranstaltungskalenders natürlich das Ausstellungsprojekt „Brüder und Fremde“, welches sich insbesondere mit den Einwanderungsgeschichten russischsprachiger Gemeindemitglieder beschäftigt. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden, die jüdische Gemeinde und HATiKVA stellten die Umstände der Einwanderungen, ihre Erfolgsgeschichten und die individuellen Lebensläufe der Betroffenen vor.
Rund vierzig weitere Veranstaltungen lockten Interessenten in die Landeshauptstadt, darunter Konzerte, Theaterstücke, aber auch Lesungen und Filmvorführungen. Das Programm setzte sich aus neuen und eher ungewöhnlichen, aber auch traditionellen Produktionen zusammen.

Auf sich aufmerksam machten zwei gegensätzliche Theaterproduktionen, die gleichsam den Holocaust als Leitthema hatten. „Spiel süßer den Tod“ provoziert mit der Frage, ob und wie weit der Holocaust im Allgemeinen, das Konzentrationslager im Speziellen in der Kunst verarbeitet werden darf. Die Produktion vom Dresdner Autor und Dramaturg Bernd Rump wurde in der Dreikönigskirche zur Jiddischen Musik- und Theaterwoche uraufgeführt, feierte seine eigentliche Premiere jedoch erst am 9. November, dem Jahrestag der Progromnacht von 1938, im Theaterhaus Rudi. Es handelt sich hierbei um eine szenisch-musikalische Collage zur „Todesfuge“ von Paul Celan. Bei der künstlerischen Bearbeitung der traumatischen Erlebnisse in einem Konzentrationslager lehnt sich Rump an das weltbekannte Gedicht an. Bereits 1947 http://www.jiddische-woche-dresden.de/index-neu.php?p=101löste der Autor schon eine kontroverse Debatte darüber aus, ob die Thematik des Holocausts künsterlisch überhaupt umsetzbar sei.
 Dem entgegen setzte sich die israelische Schauspielerin Karine Koret als „Lulu- ein Ausschwitzmädchen“. Sie tanzt und singt sich als Clownsmädchen durch den Alltag der Vernichtungslager, lässt die Zuschauer an ihrer Geschichte teilhaben. Es wird erzählt wie sie deportiert wurde und sich dort in eine eigene Welt aus Träumen, Liedern und Gedanken zurückzieht. Zusammen mit ihrer Familie wird sie zu Beginn von den Nazis in ein Vernichtungslager deportiert. Dort angekommen, muss Lulu getrennt von ihren Verwandten allein die Schrecken von Ausschwitz erleben. Das Stück basiert auf der Geschichte der Großmutter von Hauptdarstellerin Karine Koret und hatte 2009 auf dem Teatronetto Festival of Solo Theater in Tel Aviv seine Premiere.

Neben Theater- und Filmvorführungen spielte auch Musik eine wichtige Rolle im Programm der 14. Jiddischen Musik- und Theaterwochen. So sorgte die Gruppe „Yachad“ für einen jiddischen Liederabend mit feurig-tanzbaren Klezmer-Klängen. Eine Premiere feierte die aufstrebende Electro-Klezmer-Band „Anakronic Electro Orkestra“ aus Toulouse mit ihrem ersten Deutschland-Konzert.

Verschiedene Sprachkurse sollten das Eintauchen ins jüdische Leben noch intensivieren. So wurde den Besuchern die Möglichkeit geboten, an einem Hebräisch Einführungskurs teilzunehmen. Dort wurde als erstes die Frage geklärt, wie Hebräischen zu einer der drei Landessprachen Israels wurde. Weiterhin erläuterten die Kursleiter, nach welchen Grundsätzen die Sprache funktioniert, sodass schlussendlich eine Entdeckungsreise in das alltägliche Hebräisch begangen werden konnte. 
Wem diese Sprache allerdings zu fern war, konnte sich am Jiddischen ausprobieren. Auch hierfür wurde ein Einführungskurs angeboten. Auch wenn Jiddisch erst 1908 offiziell zur zweiten Nationalsprache des jüdischen Volkes erklärt wurde, geht die Geschichte dieser Sprache jedoch weit über 1000 Jahre zurück. Jiddisch gilt als eine Nahsprache des Deutschen und ist daher auch für Laien relativ schnell zu verstehen. In dem Sprachkurs wurde den Teilnehmern ein Überblick geboten, wo die jiddische Sprache überhaupt herkommt und wo sie heute beheimatet ist, um danach in die Einführung in das Jiddische in Wort und Schrift überzugehen. Ebenfalls lernten die Besucher einige der wichtigsten Vertreter der jiddischen Literatur kennen. 



Neu war in diesem Jahr der Jüdische Ball im Gemeindezentrum am Hasenberg. tl_files/kunststoff/magazinbilder/2010-10-23_Juedischer-Ball_p08.JPG
Zur Musik von der Band „A Tickle In The Heart“ zusammen mit der New Yorker Klezmer-Violistin Deborah Strauss lernten knapp 150 Besucher traditionell jüdische Tänze unter der Leitung von Matti Goldschmidt und Andreas Schmitges.
Auch für die Kinder war Spaß geboten. So lud neben Spiel- und Bastelangeboten eine spezielle Führung durch die Synagoge, aber auch die Kinderoper „Tierhäuschen“ ein. Letztere stellte mit dem Märchen von Samuel Marschak als Grundlage eine spielerische Einführung in die Welt der Oper für Kinder dar. 
Als Abschluss der Musik- und Theaterwochen trat am Sonntag das israelische Trios Carpion in der jüdischen Gemeinde in Dresden auf. Drei ausgezeichnete Virtuosen schlossen sich hier zusammen und boten ein musikalisches Programm voll von Liedern über Liebe, Eifersucht, Klatsch und Tratsch und Kriminalität. Gesungen wurde neben Jiddisch auch Rumänisch, Hebräisch und Griechisch, mal melancholisch, mal witzig. Ein Konzert, welches einen jeden Besucher noch ein letztes Mal für dieses Jahr die jüdische Kultur in vollen Zügen genießen lies.

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LEBENSKULTUR : Ein Bär fürs Leben : 22.01.2011 : von Dörthe Gromes

Im Zeitalter des Einwegplüschtieres zum Instant-Knuddeln sind die alten Teddybären aus Holzwolle und Mohairplüsch vom Aussterben bedroht. In Thüringen haben diese Bären ein Reservat gefunden, dort wird das traditionelle Handwerk der Teddybärenherstellung noch beherrscht.

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LEBENSKULTUR : Wo das Kreuz vom Hügel ragt : 20.01.2011 : von Nancy Waldmann

Ein Tag in ... Heiligenstadt, Hauptstadt des Eichsfeldes. Des katholischen Eichsfeldes. Hier, im toten Winkel der Deutschen Demokratischen Republik bin ich geboren. Die Leute sahen sich als Bastion des Glaubens im gottlosen DDR-Staat. Seitdem hat sich viel verändert. Noch immer sind etwa 85 Prozent der Bewohner Katholiken, die Kirche ist ein sozialer Dienstleister, aber Kirchengemeinden sterben.

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LEBENSKULTUR : Begegnungen mit dem jüdischen Leben in Dresden : 01.11.2010 : von Franziska Krakow

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