Von Schmugglern und Grenzgängern

13.04.2011 22:20 von Marco Zschieck

Containership

„Die Vögel fliegen weiter. Die Grenze ist nur für die Menschen“, sagt ein junger Inder in Supriyo Sens Kurzfilm „Wagah“. Der Film über den gleichnamigen, einzigen Übergang an der mehr als 3.000 Kilometer langen Grenze der verfeindeten Nachbarn Indien und Pakistan eröffnet den Kurzfilmabend in der Cinémathèque Leipzig.

 

Das Programm wirft einen facettenreichen Blick auf unterschiedliche Formen von Grenzökonomien. Dort wo Grenzen einschränken, schaffen sie andererseits auch erst Möglichkeiten, die ohne sie gar nicht da wären. So verdient der Schuljunge Manpreet sein Geld mit dem Verkauf von DVDs an Touristen, die an der indisch-pakistanischen Grenze ein skurril anmutendes Schauspiel beobachten: Jeden Tag wird die Grenze geschlossen. Dabei wetteifern die Wachmannschaften beider Seiten darum, wer die Zeremonie in Paradeuniform besser und exakter ausführt. Bis die Flaggen eingeholt sind, muss jeder Schritt und jeder Griff sitzen. Auf beiden Seiten der Grenze wurden Tribünen errichtet, um die täglich 20.000 Zuschauer aufzunehmen. Die Kamera ist dabei immer nah dran und lässt die Menschen erzählen. In „Wagah“ erscheint die Grenze bunt und skurril.

 

Dagegen lässt „Border“ Beklemmung aufkommen. Der Film von Laura Waddington zeigt das Leben in der Dunkelheit. Afghanische und irakische Flüchtlinge versuchen als blinde Passagiere auf die Güterzüge durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu kommen. Man sieht schemenhafte Gestalten im Gegenlicht der Suchscheinwerfer. Aus dem Off werden ihre Geschichten erzählt: von Flucht vor dem Krieg, von Verfolgung durch die Polizei, von den bellenden Hunden. Am Schluss erzählt die Stimme von denen, die es nach England geschafft hatten: Sie hatten es sich anders vorgestellt.

 

Ursula Biemann und Angela Sanders widmen sich in „Europlex“ den Netzwerken in der spanischen Enklave Ceuta an der marokkanischen Küste. Über die Grenze und das Mittelmeer haben sich kleine und große, legale und illegale Beziehungen gebildet. Containerschiffe transportieren Spielzeug nach EU-Norm aus marokkanischer Billigproduktion in die eine Richtung. In der anderen Richtung bewegen sich die Hausangestellten der spanischen Hausbesitzer, wenn sie nach der Arbeit unter ihrer Kleidung Importe aus China nach Marokko schmuggeln.

 

In Clemens von Wedemeyers Kurzfilm „Otjesd“ wiederum gibt es nicht einmal eine sichtbare Grenze. Die Grenze bildet hier die Bürokratie des deutschen Konsulats in Moskau. Sie produziert Formulare, beschäftigt Übersetzer und etabliert einen Markt für Reiseveranstalter. Die Grenze schiebt sich in den Alltag der Menschen vor und setzt dabei Regeln fest.

 

Der Kurzfilmabend ist eine erste öffentliche Veranstaltung des Projektes „Well Connected“, das in Verbindung mit dem Masterstudiengang „Kulturen des Kuratorischen“ an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) organisiert wird. Den Studiengang gibt es seit 2009 berufsbegleitend. Im Sommer werden die ersten Absolventen ihren Abschluss erhalten. Bis Mitte Mai dieses Jahres läuft die Bewerbungsphase für den nächsten Jahrgang.

 

Das Projekt betrachtet das Kuratorische als einen Prozess der Zusammenstellung und Verknüpfung von Objekten, Informationen, Menschen und Orten. In Zukunft sollen Ausstellungen, Diskussionen und Workshops organisiert werden. „Im Oktober startet eine dreiteilige Heftreihe unter dem gleichen Titel“, sagt Vera Lauf, die das Projekt leitet. „Darin soll die Verwandtschaft zwischen kuratorischem Handeln und den derzeitigen sozio-ökonomischen Verhältnissen diskutiert werden.“ Sie hat zusammen mit Luc-Carolin Ziemann den Kurzfilmabend kuratiert. „Wir finden das Thema interessant, weil wir im 'Schmuggeln' eine mögliche Verwandtschaft zur Tätigkeit des Kuratierens erkennen. Kollektive Netzwerke bilden sich, Bilder, Ideen und Gegenstände werden transferiert, Grenzen überschritten. Objekte bekommen dadurch und durch die Kombination miteinander eine spezifische Bedeutung“, erklären beide. In diesem Sinn ist auch der Studiengang insgesamt an der Schnittstelle zwischen Film, Kunst, Theater und anderen Kulturpraktiken angesiedelt.

 

„Von Schmugglern und Grenzgängern“

Kurzfilmabend in der Cinémathèque Leipzig, 18.4.2011, 20.00 Uhr

 

„Well Connected“ // Masterstudiengang „Kulturen des Kuratorischen“ (Hochschule für Grafik und Buchkunst)

Zurück

13.04.2011 22:20 von Marco Zschieck

Von Schmugglern und Grenzgängern

In Verbindung mit dem Masterstudiengang „Kulturen des Kuratorischen“ an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig findet ein erster Kurzfilmabend statt, der sich Grenzgängen verschiedenster Art widmet.

Weiterlesen …

13.04.2011 22:09 von Annegret Richter

Animationsfilm gestern und heute

Eng verwoben mit dem Filmfest Dresden ist das in derselben Stadt angesiedelte Deutsche Institut für Animationsfilm. Annegret Richter stellt das Institut vor, das Filmbegeisterten einen reichen Einblick in Tradition und Gegenwart des Animationsfilms ermöglicht.

Weiterlesen …

12.04.2011 21:28 von Dörthe Gromes

Zimmer zu

Die Leipziger Filmemacherin Susanne Schulz hat zwei Jahre lang Menschen in Löbau begleitet, denen aufgrund von Hartz-IV ein Zimmer ihrer Wohnung zugeschlossen wurde.

Weiterlesen …

12.04.2011 21:16 von Lars Meyer

Doppelte Rückkehr nach Dresden

Izabela Plucinska arbeitet in einem seltenen Metier: Knetanimation – und sie lebt sogar davon. Beim Filmfest Dresden ist die in Berlin wohnende Polin regelmäßig zu Gast, diesmal gleich in zwei Funktionen: Mit ihrem neuen Film im Wettbewerb und als ehemalige Teilnehmerin des „Austauschforums Perspektiven für den Animationsfilm“, das in diesem Jahr sein 10. Jubiläum feiert.

Weiterlesen …

01.04.2011 10:52 von Dörthe Gromes

Filmische Grenzgänge

Unter der im Kino ungewohnten Aufforderung "Close your eyes" steht dieses Jahr das Festival Solo für Licht, das Filmfreunden zum vierten und (leider) auch zum letzten Mal cineastische Entdeckungen bietet. Sven Wörner von der Cinémathèque Leipzig, der zusammen mit Jane Wegewitz das Festival organisiert, gibt einen Einblick ins Programm.

Weiterlesen …

28.06.2012 08:13

Fotokunst richtig verpackt

Für viele ist es wieder soweit, der Sommerurlaub steht vor der Tür, die letzten Vorbereitungen werden getroffen und noch ausstehende Buchungen werden erledigt.

Weiterlesen …

Eine Aufsparrendämmung
dient als energieeffiziente
Dämmschicht.

Die besten Fernseher
vergleichen und kaufen auf
www.fernseher-vergleich.info