Animationsfilm gestern und heute : 13.04.2011 : von Annegret Richter
Von 1955 bis 1990 war Dresden mit dem DEFA-Studio für Trickfilme das Zentrum des ostdeutschen Animationsfilms. Hier entstanden viele Lang- und Kurzfilme in den verschiedensten Animationstechniken, aber vor allem wurde hier der Puppentrick mit Stab- und Handpuppen gepflegt. Nach der Abwicklung des Studios im Zuge der Wende verblieb das DEFA-Erbe in Dresden, auch dank vieler ehrenamtlicher Helfer, die Materialien und Filme vor dem Verkauf durch die Treuhand retteten.
Nun galt es die Filmgeschichte zu bewahren und in diesem Zuge unterstützten die Stadt Dresden und der Freistaat Sachsen und so wurde 1993 das Deutsche Institut für Animationsfilm (DIAF) gegründet, dessen zentrale Aufgabe die Aufarbeitung und Pflege dieses DEFA-Nachlasses ist. Außerdem wurde das Institut schnell ein unentbehrlicher Ansprechpartner für die Förderung und Vernetzung der deutschen Animationsfilmszene. Es gibt in Deutschland keine andere Institution, die sich so intensiv mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung von Animationsfilmen aller Art beschäftigt. In den Arbeiten werden die gesellschaftliche und soziale Relevanz der Filme aufzeigt und aktuelle Strömungen im Kontext der deutschen und internationalen Filmgeschichte eingeordnet. Die Ergebnisse finden sich in zahlreichen Publikationen des Instituts sowie in Ausstellungen und Vorträgen wieder oder auch in Filmprogrammen, die in Kooperation mit vielen Kinos und internationalen Festivals kuratiert werden.
So ist das DIAF zum Beispiel in diesem Jahr beim 23. Filmfest Dresden mit außergewöhnlichen Filmen vertreten, die Fotos und andere Materialien nutzen um Bildkollagen zu montieren und diese animieren. In dem Programm wird Geschichte und Gegenwart dieser Filme miteinander verknüpft. Es spannt den Bogen von den frühen 1960er Jahren mit künstlerischen Arbeiten von Jan Lenica über die populären Monthy Python-Kollagenfilme bis hin zu einem aktuellen Musikvideo der britischen Band Franz Ferdinand, gestaltet vom schwedischen Filmemacher Jonas Odell.
Das Archiv des DIAF ist einzigartig. Derzeit umfasst es etwa 2.000 Filmkopien und viele Arbeitsmaterialien wie Filmpuppen, Zeichenphasen oder Requisiten. Etwa 4.000 Entwürfe zu Figuren und Hintergründen sowie Poster und Originalplakate und jede Menge Fotoaufnahmen von Filmsequenzen – in der Fachsprache Filmstills genannt – gehören ebenfalls dazu.
Das Archiv wächst stetig durch Vor- und Nachlässe nicht nur ehemaliger DEFA-Mitarbeiter, sondern auch bekannter westdeutscher Filmemacher wie Raimund Krumme oder Helmut Herbst. Werbefilme sowie Dokumentationen über die sächsische Kunstgeschichte gehören ebenfalls zum Bestand. In den Technischen Sammlungen in Dresden ist für das DIAF eine Ausstellungsfläche reserviert, auf der seit 2002 ein Teil dieser Materialien der Öffentlichkeit gezeigt wird. Der Rest schlummert in den Archiven, die ebenfalls in den Technischen Sammlungen untergebracht sind. Die regelmäßig stattfindenden Sonderausstellungen werden sowohl aus den Beständen als auch mit neu recherchierten Materialien von aktuellen Gegenwartskünstlern kuratiert. In der Regel werden sie nach ihrer Premiere in Dresden noch im Ausland gezeigt.

Zusammen mit dem Czech Film Center eröffnet das DIAF im Rahmen des Filmfest Dresden in diesem Jahr seine Sonderausstellung mit Arbeiten von Jan Švankmajer. Der berühmte tschechische Filmemacher und Surrealist wurde vor allem durch seine politischen Filme wie „Der Tod des Stalinismus in Böhmen“ (1990) oder „Tücken des Gesprächs“ (1982) international bekannt. Nach dem Dreh seines neusten Langfilms „Surviving Life“ fertigte er aus den vorhandenen Filmmaterialien neue Kollagen an, die jetzt zusammen mit Dokumentationen zur Entstehung seiner Arbeiten in der Ausstellung zu sehen sind. „Surviving Life“ ist ein Film über die Schwierigkeit sich in der modernen Welt das Träumen zu erhalten. Den kompletten Film kann man dann während des Festivals in Anwesenheit des Filmemachers in der Schauburg in Dresden sehen. Eine seltene Gelegenheit, ein Werk dieses Filmvisionärs hierzulande im Kino zu genießen.
Sonderausstellung zu Jan Švankmajer, 16.4.-10.7.2011
Eröffnung am 15.4. 2011 um 15:00 Uhr in den Technischen Sammlungen Dresden
FILM : Von Schmugglern und Grenzgängern : 13.04.2011 : von Marco Zschieck
FILM : Animationsfilm gestern und heute : 13.04.2011 : von Annegret Richter
FILM : Doppelte Rückkehr nach Dresden : 12.04.2011 : von Lars Meyer
FILM : Filmische Grenzgänge : 01.04.2011 : von Dörthe Gromes


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