Urbane Identitätsstifter oder ideologische Altlast : 02.07.2010 : von Sören Hauck
Der Umgang mit dem baulichen Erbe der DDR
In Leipzig beherrscht gerade der „Umbau“ des ehemaligen Brühl Kaufhauses, seinerzeit das größte in der DDR, Medien und Gemüter. Um der Errichtung eines unnützen, weil überflüssigen Konsumgiganten (Stadt)Raum zu geben, wird einmal mehr und dazu maßlos das gewohnte Stadtbild strapaziert. „Geopfert“ wurden dafür trotz Protest und Umnutzungsvorschlägen bereits drei 1966 – 1968 errichtete Wohnhochhäuser, die damals der (westlichen) Tendenz unbewohnter Stadtzentren entgegenzuwirken halfen. Zuletzt hatten sie ein eher trauriges Bild jener Idee belebter Innenstädte abgegeben. Einst leuchtete, wie ein Fanal zum Aufbruch in eine neue, hoffnungsvolle Ära, von einer der Wohnscheiben Goethes Ausspruch „Mein Leipzig lob ich mir“ dem vom Hauptbahnhof kommenden Besucher entgegen.
Das wegen seiner Aluminiumverkleidung weithin als Blechbüchse bekannte Kaufhaus, dessen kristalline, aus zueinander verdrehten Dreikantformen gebildeten Strukturflächen die Öffnung des Landes hin zu einer internationalen Moderne signalisierten, ist nun Geschichte. Auch wenn die Aluminiumfassade des Leipziger Bildhauers Harry Müller zum Teil wieder in die neue Fassade eingebunden werden soll, bleibt der einstige schwungvolle Charakter, Symbol einer aus der Messe-Tradition resultierenden Weltoffenheit, für immer verloren.
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